Es geht, wenn von Zoran Music die Rede ist, um Wahrhaftigkeit, welche im Zeugenstand des Welt-Standgerichtes gefordert wird.
Zoran Music verstellt die Sprache der Gehenkten und die der Henker und auch jener, die vom Leben barmherzig berauscht, sich in Sicherheit währen. Wenn schon der Liebesseufzer die Sprache bricht, um viel mehr das Röcheln der Geschundenen.
Umso beredter ist das Schweigen um die Leichengebirge. Er sagt: “Wir sind nicht die Letzten“. Es tut nichts zur Sache, welcher Nation das Fleisch entstammt, das da in Auschwitz in die Krematoriumsöfen geschaufelt wurde, oder in Kroatien und in Bosnien von Bulldozzern in die Grube geschoben wird. Die Kinder in den ratternden Betonmaschinen, so geschah es an den Kindern in Bosnien, sprechen die tonlose Sprache ihrer vorausgegangenen Kameraden aus Dachau, aus Trblinka: „Wir sind nicht die Letzten“.
(Siegbert Metelko, 1992 Katalog, Galerie Freund)
Weiterleitung zur Werkesammlung „Wir sind nicht die Letzten“
„Nach dem Tod (nach Dachau) habe ich wieder in das Leben zurückgefunden. Ja. Aber ich war nicht mehr derselbe. Ich habe meine Überschwänglichkeit eingebüßt, ich war weniger extrovertiert. Ich bin mir bewusst geworden, dass die Außenwelt für mich immer unwichtiger geworden ist und dass ich vor dem Oberflächlichen geflüchtet bin.
Alle sind vor dem Tod gleich und sogar die Dinge, die wir für das Wichtigste alten, sind in Wahrheit nicht viel wert.
Das ist der Schatz, den ich aus dieser schrecklichen Zeit mitgenommen habe. Ein Schatz, der mir vor allem als Mensch und auch als Maler von Nutzen war. Ein Schatz, den ich absolut nicht verlieren will. Ich hoffe, dass diese Vision für immer in meinem Unterbewusstsein bleibt.“
Zoran Music: Dialogo con l‘autoritratto, Paolo Levi, Electa, Milano, 1992